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Sonntag, 25. Januar 2015, 18:17

Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Februar 2015

Gewesen: Winterakademie im Schloss Benrath – Theater der Klänge mit Schlemmers triadischem Ballett
Angekündigt: Ligetis Le Grand Macabre in Essen – Holliger on Tour – Kagel-Installation im MIR u.v.a.m.

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[Winterakademie im Schloss Benrath]

Bereits zum zweiten Mal fand im Januar im Schloss Benrath die von Gerhard Stäbler und Kunsu Shim organisierte Winterakademie für Performancemusik statt. Laut Ausschreibung richtet sie sich nicht nur an Musik- und Kunstschaffende sondern auch an interessierte Laien, die diesmal in Gestalt junger TH-Studenten vertreten waren. Neben Vorträgen von Dieter Schnebel und Achim Heidenreich wurden sie auf ihrer Reise in unbekannte Welten von den beiden Workshopleitern Alwynne Pritchard und Guðmundur Steinn Gunnarsson begleitet.
Mit kahl geschorenem Kopf und leuchtend blauem Kleid ist die britische Künstlerin, die bis vor kurzem das Borealis Festival in ihrer Wahlheimat Bergen leitete, schon rein optisch eine auffallende Erscheinung. In ihrer Performance zum Auftakt des Abschlusskonzerts bringt sie diese eindrucksvoll zur Geltung, indem sie weniger lautliche Äußerungen als vielmehr Mimik, Gestik und ihren Körper sprechen lässt. Begleitet von Atemgeräuschen, gehaltenen Lauten und schrillen Tönen konfrontiert sie das Publikum mit teils grotesk anmutenden Grimassen und Verrenkungen und begibt sich dabei auf eine eigenwillige Gratwanderung: höchst präsent und unnahbar zugleich, außer sich und äußerst kontrolliert, in den Bann ziehend und abweisend, verletzlich und aggressiv, in jedem Fall irritierend und faszinierend. Auch in der von ihr angeleiteten Performance mit den Workshopteilnehmern spielt die 'facial performance' eine wichtige Rolle. Die Mitwirkenden reagieren jeweils paarweise aufeinander, wobei ihre Physiognomien wiederum von den Musikern des Ensemble Crush in ruhige, dunkle, gespannt-verhaltende Klänge übertragen werden. Ohne im Einzelnen die dabei zum Einsatz kommenden Übersetzungsregeln nachvollziehen zu können, entsteht eine konzentrierte Stimmung, die sich auf das Publikum überträgt.
Dies gilt auf ganz andere Weise auch für den isländischen Komponisten Guðmundur Steinn Gunnarsson, dessen Notationen über den Computerbildschirm laufen und von den Interpreten in Echtzeit umgesetzt werden. Die musikalischen Laien bedienen sich dabei selbstgefundener Objekte, bei denen es sich vorwiegend um Haushaltsgegenstände wie Schüsseln und Dosen handelt. Daraus entwickelt sich ein tastendes, suchendes, manchmal unversehens die Richtung wechselndes Klanggespinst. Doch bemerkenswerter als das klangliche Resultat ist auch hier die konzentrierte Atmosphäre und das Bild der auf einen gemeinsamen Bezugspunkt gerichteten und doch jeder für sich agierenden Personen.
Die Winterakademie ist eingebettet in die Veranstaltungsreihe 'Natürlich schön!', die sich der Begegnung zwischen alter und neuer Musik, zwischen Natur und Kultur, zwischen Musik und Performance widmet und am 13.3. in der Kapelle von Schloss Benrath fortgesetzt wird.

[Theater der Klänge mit Schlemmers triadischem Ballett]

Oskar Schlemmer steht zur Zeit hoch im Kurs. Nachdem die Auseinandersetzung mit seinem Werk lange Zeit durch die Intervention der Erben erschwert wurde, sind die Reproduktions- und Nutzungsrechte 2013 70 Jahre nach seinem Tod frei geworden. Seine Geburtsstadt Stuttgart hat dies sofort zum Anlass für eine umfangreiche Retrospektive genommen, die noch bis zum 6.4. in der Staatsgalerie zu sehen ist. Für die Musik- und Theaterszene sind natürlich vor allem seine Arbeiten für die Tanzbühne von Interesse, allen voran das 1922 uraufgeführte Triadische Ballett. Das Bayrische Staatsballett orientierte sich in seiner Neuproduktion, die 2014 in mehreren Städten (leider nicht in NRW) aufgeführt wurde, an Gerhard Bohners Version aus den 70er Jahren und bemühte sich um eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion der Kostüme. Im Gegensatz dazu geht das Düsseldorf Theater der Klänge sehr viel freier ans Werk und spricht explizit von einer Neuinterpretation, die unter dem Titel Trias firmiert. Dabei soll „anstelle des Zelebrierens hoher Bauhauskunst“ vor allem „das Clowneske und Karnevalistische in Oskar Schlemmers Zugang zur Bühne“ betont und „Tanz- und Musizierlust“ zum Ausdruck gebracht werden. Schlemmers phantastische und phantasievolle Figurinen verfehlen auch nach über 90 Jahren ihre Wirkung nicht. In der Düsseldorfer Aufführung darf der schwerfällig einherschreitende Taucher seine farbigen Bommeln in hüpfende Bewegung versetzten, der Harlekin ergeht sich in grotesk überzeichneten Bodybuilderposen und Zylindermann und Glockenpuppe finden sich zu einem beschwingten Tänzchen. Doch obwohl die Betonung des Clownesken sich durchaus auf Schlemmer berufen kann – er bekannte sich nach eigener Aussage „gern d.h. neidlos“ zum Tanz und zum Komischen – birgt dieser Ansatz seine Probleme. Das Kokettieren miteinander und mit dem Publikum nimmt den Figuren ihre Radikalität und lässt sie manchmal merkwürdig bieder und brav erscheinen. Dies wird durch die musikalische Begleitung von Thomas Wansing zusätzlich betont, der ein konventionelles Potpourri abliefert, das vom sehnsuchtsvollen Schmachten bis zu rockigen und swingenden Einlagen reicht. Die teilweise recht frei rekonstruierten Kostüme (Caterina Di Fiore) sind körper- und tanzfreundlicher geraten als Schlemmers Originale und ermöglichen daher auch expressive Gesten und klassischen Spitzentanz. Die durch den Raum irrlichternde Drahtleuchtfigur zum Beispiel hat kaum noch etwas mit Schlemmers eher statischer Drahtfigur gemein. Fazit: Der Truppe um J. U. Lensing ist mit Engagement und Kreativität ein unterhaltsamer Abend gelungen, der in Düsseldorf für volles Haus sorgte und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde, Puristen sind beim Bayerischen Staatsballett aber wahrscheinlich besser aufgehoben (und Neue Musik-Liebhaber erst recht, dort erklingt nämlich Musik von Hans-Joachim Hespos!). Am 7.und 8.2. ist Trias im Dortmunder Depot zu erleben.

[Konzerttermine im Februar]

Köln

Heinz Holliger bringt am 8.2. in der Kölner Philharmonie mit dem Mahler Chamber Orchestra neben eigenen Werken auch eine Uraufführung von Georg Friedrich Haas zu Gehör und am 22.2. dirigiert Thomas Hengelbrock Gubaidulinas Offertorium.
Das Asasello Quartett ist vom 19. bis 21.2. in der Alten Feuerwache an dem Tanzprojekt for four beteiligt.
Beim musiklabor im Kunsthaus Rhenania tritt am 1.2. das Trio Norbert Stein, Michael Heupel und Dieter Manderscheid an und anschließend kann man den monatlichen Orgelimprovisationen von Dominik Susteck in der Kunststation Sankt Peter lauschen. Die junge koreanische Komponistin Jung-eun Park wurde übrigens kürzlich zum neuen Composer in residence der Kunststation gekürt.
Das nächste Konzert der reiheM präsentiert am 5.2. im Stadtgarten Facetten der elektronischen Musik mit Compound Eye, Sote und Kallabris. Im ON-Kalender finden sich eine Veranstaltung mit dem Komponisten Steffen Krebber am 10.2. und im Rahmen des Projektes 'Changing perspectives' ein Konzert mit der Pianistin Elisa Järvi und der Akkordeonistin Andrea Carola Kiefer am 18.2. im Loft (mit vorausgehendem Workshop). Auch sonst ist im Loft wie üblich eine Menge los, z. B. das Sonic Art Lab am 2. und 3.2., Soundtrips NRW am 4.2., das Multiple Joy[ce] Orchestra am 8.2. und das ensemble]h[iatus cologne am 28.2.
In der Kölner Musikhochschule findet am 3.2. die Veranstaltung Feldman plus und am 4.2. ein Konzert Neue Musik statt und im Aachener Ableger präsentiert Peter Rack aus der Klasse Prof. Johannes Schild am 8.2. zum Abschluss seines Studiums eine Auswahl seiner Werke.
Weitere Termine bei kgnm und musik-in-koeln.de

Ruhrgebiet

Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier kommt im Februar Mauricio Kagels Konzertinstallation Zwei-Mann-Orchester zur Aufführung (Premiere am 6.2.) und am 14.2. wird Charlotte Salomon – Der Tod und die Malerin uraufgeführt, ein Gesamtkunstwerk aus Tanz, Gesang und Bild, das sich mit der in Auschwitz ermordeten deutsch-jüdischen Malerin Charlotte Salomon befasst.

Heinz Holliger ist mit dem Mahler Chamber Orchestra am 6.2. auch im Konzerthaus Dortmund und am 7.2. in der Essener Philharmonie zu Gast. Im Konzerthaus Dortmund kommt außerdem am 10. und 11.2. Lera Auerbachs Ikarus für Orchester zur Aufführung und im Orchesterzentrum NRW wird am 9.2. die Reihe 'Kopfnoten: Von Antheil bis Zimmermann – Eine kleine Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts' fortgesetzt.

Am Essener Aalto-Theater hat am 14.2. Ligetis Oper Le Grand Macabre Premiere, am 1.2. findet eine Einführungsmatinee statt und wer noch tiefer einsteigen will, kann das Paket 'Kunst²: Le Grand Macabre²' wählen. Dieses kombiniert Einführung, Vortrag, Proben- und Opernbesuch mit dem Besuch des 8. Sinfoniekonzerts. Außerdem erklingt am 21.1. in der Philharmonie Gubaidulinas Offertorium und am 13.2. werden als Nachschlag zum NOW!-Festival in der Kokerei Zollverein die Ergebnisse des Kompositionsprojekts KlangSpuren vorgestellt. In der Reihe RÜ2Musik im Filmstudio Glückauf ist am 10.2. der Saxophonist Jan Klare zu Gast.

Die Duisburger Philharmoniker greifen in ihren Konzerten am 17. und 18.2. mit Ville Matvejeff Ad Astra nach den Sternen und am 5.2. hat im Lehmbruck Museum das Musik-Tanz-Theater-Stück Der Schlaf der Vernunft mit Musik von Michael Denhoff Premiere. Folgeaufführungen finden am 1.3. in der St. Maximilian-Kirche in Duisburg-Ruhrort und am 21.3. in der Friedenskirche in Krefeld statt.

Düsseldorf

In der Tonhalle stehen am 21.2. Musik von Oskar Gottlieb Blarr und am 22.2. die Sechs Bagatellen für Bläserquintett von Ligeti auf dem Programm.
Der Salon Neue Musik befasst sich am 20.2. mit René Leibowitz und Antoine Beuger spielt am 22.2. in seinem Atelier in Haan Eva-Maria Houbens passages.
Das Institut für Musik und Medien (IMM) der Robert Schumann Hochschule präsentiert am 14. und 15.2. in der Filmwerkstatt die VISUAL MUSIC STUDIES 2015

sonstwo

Soundtrips NRW schickt vom 31.1. bis 7.2. die Saxophonistin Rachel Mussons und den Vibraphonisten Corey Mwambas durch NRW. In Bochum, Münster, Essen, Wuppertal, Köln, Düsseldorf, Bielefeld und Hagen werden sie mit wechselnden Gästen spielen.
Am 3.2. ist das Duo im Wuppertaler ort zu Gast, wo außerdem am 1.1. eine öffentliche Probe des ort workshop ensembles, am 5.2. die Fortsetzung der Filmreihe cine:ort und am 18.2. Brad Henkel und Weston Minissali auf dem Programm stehen.

Das Krefelder TAM befasst sich im Februar (jeweils freitags um 22 Uhr) mit Hartmut Geerken.

Der Aachener Klangbrücke präsentiert am 25.2. die Sternal Symphonic Society, die Elemente aus Jazz und Klassik verbindet.

Das Studio für Neue Musik der Universität Siegen feiert am 6.2. mit einem Konzert in der Nikolaikirche sein 20. Jubiläum.

In Moers ist Hayden Chisholm zum Improvisor in Residence 2015 gekürt worden und in Bonn wurde der niederländischen Künstler Edwin van der Heide zum Stadtklangkünstler Bonn 2015 berufen.

Die Bielefelder cooperativa neue musik lädt am 2.2. zum nächsten Jour fixe mit Korhan Erel.

Die Musikhochschule Detmold präsentiert am 3.2. ein Werkstattkonzert der Schlagzeugklasse mit Musik von Peter Prommel und vom 6. bis 8.2. führt der Kammerchor der HfM Detmold in Münster u.a. ein Werk von Wolfgang Rihm auf. Außerdem hat am 7.2. im Theater Münster Detlev Glanerts Oper Joseph Süss Premiere.

Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik

Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von »neuemusik« (30. Januar 2015, 10:51)


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